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Borderline Syndrom
Wissenswertes über das Borderline-Syndrom

Studien konnten feststellen, dass Betroffene mit Borderline-Syndrom über ein anderes Schmerzempfinden verfügen als nicht Betroffene. Der Grund hierfür ist, dass das Gehirn aktiv das Entstehen der Schmerzempfindung unterdrückt.

Aussagen über den Verlauf des Borderline-Syndroms sind schwer zu treffen. Häufig ist ein Drang zu Selbstverletzungen oder Selbstmord. Rückblickend ist bei Betroffenen mit Borderline-Syndrom eine große Häufigkeit von ADHS in der Kindheit festgestellt worden. Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) und das Borderline-Syndrom haben mehrere Parallelen wie geistige Abwesenheit oder Impulsivität. Inwiefern eine Veranlagung für das Borderline-Syndrom bei Menschen, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, besteht ist nicht erwiesen.

Wissenswertes über das Borderline-Syndrom

Patienten mit Borderline-Syndrom leiden oft schon längere Zeit unter den Borderline-Symptomen, bevor eine eindeutige Diagnose gestellt und eine adäquate Borderline-Therapie eingeleitet wird.

Schmerzempfinden bei Borderline-Patienten

Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Patienten mit Borderline-Syndrom Schmerzen weniger stark empfinden als gesunde Menschen. Grund dafür sei, dass bei Betroffenen die Entstehung von Schmerzempfindungen vom Gehirn aktiv unterdrückt wird. In Studien wurden objektiv identische Hitzereize von 43° C von Patienten mit Boderline-Syndrom subjektiv als weit weniger schmerzhaft empfunden als von den Gesunden. Dementsprechend wurde auch das Gehirn durch solche Reize objektiv weit weniger stark aktiviert als bei Kontrollpersonen. Zur Auslösung einer identischen Schmerzempfindung mussten die Reiztemperaturen bei den Betroffenen mit Borderline-Syndrom um fast 3° C gegenüber Gesunden erhöht werden.

Ein Hirnareal, das der kognitiven Schmerzbewertung dient, zeigte unmittelbar nach der Hitzereizung bei den Betroffenen eine erhöhte Aktivität gegenüber Gesunden. Nachfolgend wurde in den Hirngebieten, die dafür bekannt sind, dass sie der affektiven Bewertung von Schmerzreizen dienen, die Aktivität deutlich reduziert. Dies legt den Schluss nahe, dass bei Patienten mit Borderline-Syndrom eine erhöhte kognitive Kontrolle zu einer niedrigeren Schmerzbewertung führt – und damit zu einer Schmerzunempfindlichkeit. Man kann vermuten, dass starke Schmerzreize zu einer Beruhigung von Hirnsystemen führen, die für die Verarbeitung von starken Emotionen verantwortlich sind. Selbstverletzungen bei Patienten mit Borderline-Syndrom können also in gewisser Weise als ein Selbstheilungsversuch angesehen werden. Offensichtlich verfügt das menschliche Gehirn über neuronale Netzwerke zur Unterdrückung von Schmerzen.

Verlauf des Borderline-Syndroms

Über den Langzeitverlauf und die Folgen des Borderline-Syndroms kann bisher nur wenig in Erfahrung gebracht werden, da seit Einführung der aktuelle Klassifikation nach DSM (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) 1980 bisher nur wenige große Langzeituntersuchungen durchgeführt worden sind. Besonders auffällig war bei einer Studie die unterschiedlichen Verläufe männlicher und weiblicher Patienten.

Weibliche Patientinnen mit Borderline-Syndrom zeigten im mittelfristigen Verlauf eine geringere Symptomatik, dabei aber wesentlich stärkere kurzfristige Durchbrüche. Langfristig jedoch verschlechterte sich der Zustand im Vergleich zu Beginn der Aufzeichnungen, was oft in Verbindung mit dem Verlust von Angehörigen gebracht wurde. Die männlichen Patienten mit Borderline-Syndrom hingegen verweigerten oft gegen ärztlichen Rat weitere Behandlungen. Dabei verhielt sich ihr langfristiger Verlauf erstaunlich gut. Insbesondere betraf das die berufliche Karriere, Beziehungen und gesellschaftliche Aktivität. Darüber hinaus entwickelten sie individuelle Unterstützungssysteme für sich. Diese Angaben beziehen sich aber nur oberflächlich auf die Situation und auf die äußerlichen Symptome.

Man kann diese Ergebnisse nicht als allgemeingültig betrachten, da vermutlich nur bestimmte Typen männlicher Patienten mit Borderline-Syndrom in die Studie aufgenommen wurden, weil männliche Betroffene z. B. eher im Gefängnis, aber seltener in Kliniken landen. Außerdem war die damalige gesellschaftliche Situation der Frauen genau in solchen Punkten erschwert, die sich auf die Kernproblematik des Borderline-Syndroms auswirken, wie etwa der gesellschaftliche Zwang zur Heirat und eine untergeordnete Rolle in Beziehungen.

Verbreitung des Borderline-Syndroms

Nach verschiedenen Angaben sind ein bis zwei Prozent der Menschen vom Borderline-Syndrom betroffen, manche Autoren schätzen die Zahlen geringfügig höher. Dabei variieren die Ausprägungsgrade der Störung deutlich, was die Häufigkeit unscharf macht.

Das Borderline-Sydnrom wird zu 70 bis 75 % bei weiblichen Patienten diagnostiziert. Die Gründe dafür sind umstritten, denn es ist nicht klar, ob die Häufigkeitsverteilung in der Bevölkerung überhaupt mit der Diagnoserate übereinstimmt, weil es an repräsentativen Untersuchungsgruppen mangelt.

Charakteristisch ist vor allem der Drang der Betroffenen mit Borderline-Syndrom zu Selbstverletzungen, die nicht verheimlicht werden, sowie zu Selbstmorden (Suiziden): Die Selbsttötungsrate beträgt bei den Patienten mit Borderline-Syndrom zwischen sieben und zehn Prozent. Zwar ist selbstverletzendes Verhalten zur Diagnose des Borderline-Sydnroms nicht zwingend erforderlich, bei über Jahre hinweg sich wiederholendem Selbstverletzungsverhalten ist jedoch kaum eine andere Diagnose in Betracht zu ziehen.

80 % der Erkrankten werden psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelt, durchschnittlich 60 Tage im Jahr stationär. Der Anteil von Patienten mit Borderline-Syndrom in psychiatrischen Abteilungen beträgt etwa 15 %.

Weitere Persönlichkeitsstörungen beim Borderline-Syndrom

Nach Aussagen von Experten ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Patient mit Borderline-Syndrom auch die Kriterien für mindestens eine weitere Persönlichkeitsstörung erfülle. In schweren Fällen seien sogar bis zu sieben möglich, was daran liegt, dass es insgesamt es viele Begleiterkrankungen bei Persönlichkeitsstörungen gibt.

Des Weiteren haben Untersuchungen ergeben, dass sich bei mehr als der Hälfte der Betroffenen mit Borderline-Sydnrom rückblickend das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) feststellen lässt. In solchen Fällen ist die gesellschaftliche Integrationsfähigkeit, insbesondere die Teilnahmefähigkeit am Berufsleben, extrem belastet. Unabhängig davon haben die beiden Erkrankungen nach außen hin verschiedene ähnliche Merkmale, weshalb diese beiden Störungsbilder oft verwechselt werden. Dazu gehören geistige Abwesenheit, Impulsivität, Sensibilität und Unausgeglichenheit. Geistige Abwesenheit aufgrund eines Borderline-Symdroms ist jedoch in der Regel dissoziativ bedingt und besteht phasenweise, während bei AD(H)S die Aufmerksamkeit durch die leichte Ablenkbarkeit allgemein eingeschränkt ist.

Wird die erhöhte Empfindlichkeit und Impulsivität von AD(H)S-Betroffenen als genetische Veranlagung betrachtet, so entsprechen diese Eigenschaften allen Modellen, die sich mit den Ursachen für das Borderline-Syndrom beschäftigen. Insofern wäre es bei Menschen mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom in sehr großem Maße vorherbestimmt, ein Borderline-Syndrom zu entwickeln.

Teresa Ott

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Therapie Borderline Syndrom

Zur Therapie des Borderline-Syndroms kann u. a. die Dialektische Behaviorale Therapie (DBT) eingesetzt werden. In fünf Bereichen lernt der Betroffene Fähigkeiten, die ihn stärken sollen. Es sollen neue Erfahrungen im Umgang mit Spannungssituationen gemacht werden. Es können auch Techniken zur Stressbewältigung trainiert werden. Wichtige Säule der Therapie des Borderline-Syndroms ist das Verhältnis von Betroffenem zum Therapeuten. Nur wenn zwischen beiden eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist, kann die Therapie gelingen. In einigen Fällen kann die Familie des Betroffenen miteinbezogen werden. Auch eine medikamentöse Therapie, z. B. mit Antidepressiva, kann unterstützend durchgeführt werden.

Informationen Borderline Syndrom

Der Begriff Borderline-Syndrom bezeichnet eine Persönlichkeitsstörung. Betroffene sind zwischen dem Gefühl der inneren Leere und einer seelischen Anspannung zerrissen. Viele verschiedene Symptome können auf das Borderline-Syndrom zutreffen. Bei jedem Betroffenen können diese individuell verschieden sein. Das „Ritzen“ oder sich Schmerzen zufügen ist häufig ein Kennzeichen. Eine genaue Anzahl von Betroffenen ist unbekannt. Es wird geschätzt, dass ca. ein bis zwei Prozent der Bevölkerung vom Borderline-Syndrom betroffen sind. In vielen Fällen ist in der Kindheit körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt worden.

Wie bei anderen psychischen Erkrankungen lassen sich keine genauen Faktoren für die Entstehung des Borderline-Syndroms benennen. Ein Einflussfaktor können die Erlebnisse in der Kindheit sein. So kann das Erleben von Gewalt die Entstehung eines späteren Borderline-Syndroms begünstigen. Das Kind kann so eine traumatische innere Zerrissenheit zwischen Angst und Vertrauen zu den Vertrauenspersonen erleben. Dieses Trauma kann durch Erlebnisse als Erwachsener wieder erlebt werden. Es gibt aber auch viele Beispiele, in denen das Borderline-Syndrom trotz eines intakten Elternhauses entstanden ist. Eine erbliche Veranlagung wird diskutiert.