Borderline Syndrom

Informationen für Betroffene und Angehörige

Wissenswertes über die Borderline-Krankheit

Patienten mit dem Syndrom Borderline leiden oft schon längere Zeit unter den Borderline-Symptomen, bevor eine eindeutige Diagnose gestellt, die Borderline-Krankheit bei dem Betroffenen definitiv befundet und eine adäquate Borderline-Therapie eingeleitet wird.

Schmerzempfinden bei Borderline-Patienten

Neue Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Patienten mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung Schmerzen weniger stark empfinden als gesunde Menschen. Grund dafür sei, dass bei Betroffenen die Entstehung von Schmerzempfindungen vom Gehirn aktiv unterdrückt wird. In Studien wurden objektiv identische Hitzereize von 43° C von Patienten subjektiv als weit weniger schmerzhaft empfunden als von den Gesunden. Dementsprechend wurde auch das Gehirn durch solche Reize objektiv weit weniger stark aktiviert als das der Kontrollpersonen. Zur Auslösung einer identischen Schmerzempfindung mussten die Reiztemperaturen bei den Borderline-Betroffenen um fast 3° C gegenüber Gesunden erhöht werden.

Ein Hirnareal, das der kognitiven Schmerzbewertung dient, zeigte unmittelbar nach der Hitzereizung bei den Betroffenen eine erhöhte Aktivität gegenüber Gesunden. Nachfolgend wurde in den Hirngebieten, die dafür bekannt sind, dass sie der affektiven Bewertung von Schmerzreizen dienen, die Aktivität deutlich reduziert. Dies legt den Schluss nahe, dass bei Borderline-Patienten eine erhöhte kognitive Kontrolle zu einer niedrigeren Schmerzbewertung führt – und damit zur Schmerzunempfindlichkeit. Man kann vermuten, dass starke Schmerzreize zu einer Beruhigung von Hirnsystemen führen, die für die Verarbeitung von starken Emotionen verantwortlich sind. Selbstverletzungen bei Borderline-Patienten können also in gewisser Weise als ein Selbstheilungsversuch angesehen werden. Offensichtlich verfügt das menschliche Gehirn also über sehr effektive neuronale Netzwerke zur Unterdrückung von Schmerzen. Wenn dieser Mechanismus genauer untersucht wird, könnte es möglich sein, dass Forscher in Zukunft von Borderline-Patienten lernen, wie sie chronischen Schmerzpatienten besser helfen können.

Verlauf von Borderline

Über den Langzeitverlauf und die Folgen der BPS (Borderline-Persönlichkeitsstörung) konnte bisher nur wenig in Erfahrung gebracht werden, da die aktuelle Klassifikation nach DSM (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) erst 1980 definiert wurde und bisher nur eine einzige große amerikanische Langzeituntersuchung durchgeführt worden ist. Besonders auffällig waren dabei die unterschiedlichen Verläufe männlicher und weiblicher Patienten.

Weibliche BPS-Patientinnen zeigten im mittelfristigen Verlauf eine geringere Symptomatik, dabei aber wesentlich stärkere kurzfristige Durchbrüche. Langfristig jedoch verschlechterte sich der Zustand im Vergleich zu Beginn der Aufzeichnungen, was oft in Verbindung mit dem Verlust von Angehörigen gebracht wurde. Die männlichen Patienten hingegen verweigerten oft gegen ärztlichen Rat weitere Behandlungen, dabei verhielt sich ihr langfristiger Verlauf erstaunlich gut. Insbesondere betraf das die berufliche Karriere, Beziehungen und gesellschaftliche Aktivität, darüber hinaus entwickelten sie individuelle Unterstützungssysteme für sich. Diese Angaben beziehen sich aber nur oberflächlich auf die Situation und auf die äußerliche Symptomatik.

Man kann diese Ergebnisse nicht als allgemeingültig betrachten, da vermutlich nur bestimmte Typen männlicher Patienten in die Studie aufgenommen wurden, weil männliche Betroffene z. B. eher im Gefängnis, aber seltener in Kliniken landen. Außerdem war die damalige gesellschaftliche Situation der Frauen genau in solchen Punkten erschwert, die sich auf die Kernproblematik des Borderline-Syndroms auswirken, wie etwa der gesellschaftliche Zwang zur Heirat und eine untergeordnete Rolle in Beziehungen.

Verbreitung des Borderline-Syndroms

Nach verschiedenen Angaben sind ein bis zwei Prozent der Menschen betroffen, manche Autoren schätzen die Zahlen geringfügig höher. Dabei variieren die Ausprägungsgrade der Störung deutlich, was die Häufigkeit unscharf macht.

Die BPS wird zu 70-75 % bei weiblichen Patienten diagnostiziert. Die Gründe dafür sind umstritten, denn es ist nicht klar, ob die Häufigkeitsverteilung in der Bevölkerung überhaupt mit der Diagnoserate übereinstimmt, weil es an repräsentativen Untersuchungsgruppen mangelt.

Charakteristisch ist vor allem der Drang der Betroffenen zu Selbstverletzungen, die nicht verheimlicht werden, sowie zu Suiziden: Die Selbsttötungsrate beträgt bei den Patienten zwischen sieben und zehn Prozent. Während mindestens 20 % der Betroffenen noch nie Selbstverletzungsverhalten zeigten, ist es umgekehrt relativ syndromtypisch: Zwar ist es zur Diagnose von BPS nicht zwingend erforderlich, bei über Jahre hinweg sich wiederholendem Selbstverletzungsverhalten ist jedoch kaum eine andere Diagnose in Betracht zu ziehen.

80 % der Erkrankten werden psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelt, durchschnittlich 60 Tage im Jahr sogar stationär. Der Anteil von Borderline-Patienten in psychiatrischen Abteilungen beträgt etwa 15 %.

Komorbidität bei Borderline-Störungen

Nach Aussagen von Experten ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Patient mit Borderline-Störung auch die Kriterien für mindestens eine weitere Persönlichkeitsstörung erfülle. In schweren Fällen seien sogar bis zu sieben möglich, was daran liegt, dass es insgesamt es eine hohe Komorbidität der Persönlichkeitsstörungen untereinander gibt.

Des Weiteren haben Untersuchungen ergeben, dass sich bei mehr als der Hälfte aller Borderline-Patienten rückblickend das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) feststellen lässt. In solchen Fällen ist die gesellschaftliche Integrationsfähigkeit, insbesondere die Teilnahmefähigkeit am Berufsleben, extrem belastet.

Unabhängig davon haben die beiden Erkrankungen nach außen hin verschiedene ähnliche Merkmale, weshalb diese beiden Störungsbilder oft verwechselt werden. Dazu gehören geistige Abwesenheit, Impulsivität, Sensibilität und Unausgeglichenheit. Geistige Abwesenheit aufgrund einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist jedoch in der Regel dissoziativ bedingt und besteht phasenweise, während bei AD(H)S die Aufmerksamkeit durch die leichte Ablenkbarkeit allgemein eingeschränkt ist.

Wird die erhöhte Empfindlichkeit und Impulsivität von AD(H)S-Betroffenen als genetische Veranlagung betrachtet, so entsprechen diese Eigenschaften allen Modellen, die sich mit den Ursachen für das Borderline-Syndrom beschäftigen. Insofern wären Menschen mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom prädestiniert dafür, eine Borderline-Persönlichkeitsstörung zu entwickeln.

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Familienstürme
Es geht auf dieser Webseite um eine Patientin, die an einer Psychose
erkrankt ist und auch Symptome einer Borderlinestörung zeigt.
Insbesondere werden ihr seelisches Erleben, ihre Familienbeziehungen
und der Zusammenhang zwischen seelischem Erleben und
gesellschaftlicher Realität beleuchtet.

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