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Borderline Syndrom
Diagnose des Borderline-Syndroms

Die Diagnose eines Borderline-Syndroms ist schwierig, da es keine typischen Anzeichen für diese Erkrankung gibt. Bei jedem Betroffenen können sich unterschiedliche Symptome zeigen. Häufiges Anzeichen ist eine große Angst vor dem Alleinsein, insbesondere vor dem Verlassen werden. Störungen der Identität können sich bei den Betroffenen durch die Infragestellung des Selbstbildes, des Wertesystems oder der Berufswahl äußern. Patienten mit Borderline-Syndrom neigen häufig zu impulsiven Verhalten, das sich beispielsweise in Spielsucht, Kleptomanie oder Essstörungen zeigen kann. Der Drang zu Selbstverletzungen bis hin zu Suiziddrohungen ist ebenfalls bei vielen Betroffenen zu finden.

Diagnose des Borderline-Syndroms

Die Diagnose des Borderline-Syndroms zu stellen ist schwierig, da fast alle typischen Symptome auch bei gesunden Menschen auftreten können. Zusätzlich lässt sich das Borderline-Syndrom nicht an ein paar wenigen Anzeichen festmachen, die man bei allen Betroffenen wiederfindet, sondern charakterisiert sich durch sehr unterschiedliche Merkmale, die unter Umständen auf den einen stark, auf den anderen hingegen gar nicht zutreffen. Die Schwere des Borderline-Syndroms ist von Person zu Person individuell verschieden. Eine seelische Dauerbelastung, die das Leben nachhaltig beeinträchtigt, ist in der Regel immer gegeben.

Die Diagnose des Borderline-Syndroms sollte stets Fachärzten oder Therapeuten überlassen bleiben. Sie erfolgt grundsätzlich anhand der Kriterien aus dem DSM-IV, dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen.

Symptome, die bei Betroffenen mit Borderline-Syndrom oft auftauchen

Demzufolge leiden Betroffene mit Borderline-Syndrom oft unter der Angst vor dem Alleinsein und bemühen sich daher sehr stark, ein tatsächliches oder vermutetes Verlassen werden zu vermeiden. Paradoxerweise geht dieser Wunsch nach Geborgenheit nicht selten auch mit einer Angst vor Nähe einher, sie haben Angst „verschlungen“ zu werden. Tatsächlich sind zwischenmenschliche Verhältnisse meist durch ein spezifisches Muster geprägt: Sie erweisen sich durchwegs als unbeständig, gleichzeitig jedoch als höchst intensiv. Es herrscht dabei hinsichtlich Bezugspersonen ein ständiger Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung, solange der Partner den Erwartungen gerecht wird, und Abwertung, sobald der Betroffene mit Borderline-Syndrom Zurückweisung oder Enttäuschung erfährt („Schwarz-Weiß-Denken“).

Gleichzeitig können Betroffene mit Borderline-Syndrom unter andauernden Identitätsstörungen leiden, die sich auf Selbstbild, sexuelle Orientierung, Berufswahl, Wertesystem und Art des gewünschten Partners erstrecken. Sie akzeptieren ihre Eigenschaften wie Intelligenz und Attraktivität nicht als konstantes Gut, sondern als Eigenschaften, die immer wieder neu verdient werden müssen. Das Selbstwertgefühl basiert beim Betroffenen mit Borderline-Syndrom ausschließlich auf aktuellen Erfolgen und Rückschlägen sowie Feedback durch Dritte.

Darüber hinaus neigt die Borderline-Persönlichkeit zu Impulsivität bei potenziell selbstschädigendem Verhalten. Typisch sind etwa Geldausgeben, Substanzmissbrauch, Sex mit häufig wechselnden Partnern (sexuelle Promiskuität), Spielsucht, zwanghaftes Stehlen (Kleptomanie), risikoreiches Autofahren und Essstörungen. Dies kann aus den Frustrationen einer gestörten Beziehung entstehen, Ausdruck von Stimmungsschwankungen oder Zornausbrüchen sein oder der Versuch, die Gefühle von Einsamkeit und Trennungsangst zu betäuben.

Wiederkehrende Suiziddrohungen und Selbstmordversuche sowie Selbstverletzungen zählen ebenfalls zu Symptomen des Borderline-Syndroms. Betroffene suchen Entlastung von einem extremen inneren Druck. Weil sie diese im Alltag nicht finden, fügen sie sich selbst Schnittwunden oder Stichverletzungen an Gliedmaßen, Rumpf und Genitalien zu, drücken Zigaretten auf ihrem Körper aus, verweigern die Nahrungsaufnahme oder essen bis zum Brechanfall und gebrauchen Alkohol und Drogen exzessiv. Meist beginnt die Selbstverletzung beim Borderline-Syndrom als impulsive Selbstbestrafung, entwickelt sich aber nach und nach zu einem ritualisierten Verhalten, das als Hilferuf, Bestrafungstechnik, Ablenkung oder Entspannung von angestauter Angst, Trauer oder Zorn interpretiert werden kann.

Oftmals leiden Patienten mit Borderline-Syndrom an einem chronischen Gefühl von Leere und Langeweile als pessimistische Grundstimmung, die jedoch rasch wechseln kann. Dann geraten sie schnell und heftig in Wut, die in ihrer Intensität kaum kontrolliert werden kann, wobei diese Zornausbrüche in keinem Verhältnis zu den auslösenden Ereignissen stehen.

Schließlich können auch vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen, psychotische Episoden oder hypnoseähnliche Zustände Merkmale eines Borderline-Syndroms sein.

Teresa Ott

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Informationen Borderline Syndrom

Der Begriff Borderline-Syndrom bezeichnet eine Persönlichkeitsstörung. Betroffene sind zwischen dem Gefühl der inneren Leere und einer seelischen Anspannung zerrissen. Viele verschiedene Symptome können auf das Borderline-Syndrom zutreffen. Bei jedem Betroffenen können diese individuell verschieden sein. Das „Ritzen“ oder sich Schmerzen zufügen ist häufig ein Kennzeichen. Eine genaue Anzahl von Betroffenen ist unbekannt. Es wird geschätzt, dass ca. ein bis zwei Prozent der Bevölkerung vom Borderline-Syndrom betroffen sind. In vielen Fällen ist in der Kindheit körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt worden.

Studien konnten feststellen, dass Betroffene mit Borderline-Syndrom über ein anderes Schmerzempfinden verfügen als nicht Betroffene. Der Grund hierfür ist, dass das Gehirn aktiv das Entstehen der Schmerzempfindung unterdrückt.

Aussagen über den Verlauf des Borderline-Syndroms sind schwer zu treffen. Häufig ist ein Drang zu Selbstverletzungen oder Selbstmord. Rückblickend ist bei Betroffenen mit Borderline-Syndrom eine große Häufigkeit von ADHS in der Kindheit festgestellt worden. Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) und das Borderline-Syndrom haben mehrere Parallelen wie geistige Abwesenheit oder Impulsivität. Inwiefern eine Veranlagung für das Borderline-Syndrom bei Menschen, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, besteht ist nicht erwiesen.

Therapie Borderline Syndrom

Zur Therapie des Borderline-Syndroms kann u. a. die Dialektische Behaviorale Therapie (DBT) eingesetzt werden. In fünf Bereichen lernt der Betroffene Fähigkeiten, die ihn stärken sollen. Es sollen neue Erfahrungen im Umgang mit Spannungssituationen gemacht werden. Es können auch Techniken zur Stressbewältigung trainiert werden. Wichtige Säule der Therapie des Borderline-Syndroms ist das Verhältnis von Betroffenem zum Therapeuten. Nur wenn zwischen beiden eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist, kann die Therapie gelingen. In einigen Fällen kann die Familie des Betroffenen miteinbezogen werden. Auch eine medikamentöse Therapie, z. B. mit Antidepressiva, kann unterstützend durchgeführt werden.